
Nicht alle Exosomen sind gleich: pflanzliche, bakterielle und hybride Technologien
, Von Persona Shop, 21 min Lesezeit

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Stellen Sie sich vier Produkte mit derselben Aussage „mit Exosomen“ vor. Das erste kann eine isolierte und charakterisierte Fraktion pflanzlicher extrazellulärer Vesikel enthalten. Im zweiten befindet sich ein Sekretom, also die gesamte Mischung der von einer Zellkultur freigesetzten Stoffe, in der Vesikel nur einen Teil des Materials ausmachen. Hinter einer ähnlichen Bezeichnung kann sich im dritten Produkt ein bakterielles Fermentationslysat und im vierten ein künstlicher Lipidträger verbergen, der bestimmte Eigenschaften natürlicher Partikel nachahmt.
Keine dieser Möglichkeiten muss grundsätzlich schlecht sein. Das Problem besteht darin, dass es sich um unterschiedliche Technologien mit verschiedener Zusammensetzung, Herstellung und Evidenzlage handelt, obwohl sie Kundinnen und Kunden häufig mit einem einzigen Begriff präsentiert werden.
Die Aufschrift „Exosomen“ erklärt daher noch nicht, was tatsächlich im Produkt enthalten ist oder warum es wirken sollte. Für die Beurteilung sind die Quelle des Materials, die Gewinnungs- und Reinigungsmethode, der Vesikelgehalt, ihre Stabilität in der fertigen Formulierung und die Frage entscheidend, was tatsächlich untersucht wurde: der konzentrierte Rohstoff oder die fertige Creme beziehungsweise das fertige Serum.
Die wichtigste praktische Schlussfolgerung lässt sich gleich vorwegnehmen: Exosomen und andere extrazelluläre Vesikel sind eine reale und vielversprechende biotechnologische Richtung, die Bezeichnung allein garantiert jedoch keine Wirksamkeit und rechtfertigt ohne konkrete Produktdaten keinen höheren Preis.
Zellen leben nicht isoliert. Sie müssen laufend Informationen über Entzündungen, Schäden, Wachstum, Nährstoffmangel oder die Notwendigkeit einer Verhaltensänderung austauschen. Eine Form dieser Kommunikation ist das Aussenden kleiner membranumhüllter Partikel mit biologischem Inhalt.
Diese mikroskopischen „Sendungen“ werden als extrazelluläre Vesikel, kurz EV — extracellular vesicles — bezeichnet. Ihre Hülle ähnelt einer Zellmembran, und in ihrem Inneren sowie auf ihrer Oberfläche können sie Proteine, Lipide, Enzyme, Metaboliten und verschiedene Arten von RNA transportieren. Wird ein Partikel von einer anderen Zelle aufgenommen, kann diese auf das übertragene Signal reagieren.
Exosomen sind ein Subtyp der EV, der innerhalb der Zelle über einen spezifischen endosomalen Weg entsteht. Üblicherweise werden sie den kleinen extrazellulären Vesikeln zugeordnet. In der Literatur wird häufig ein ungefährer Größenbereich von etwa 30–150 Nanometern angegeben, die Größe ist jedoch kein Beleg für die Herkunft eines Partikels. Unterschiedliche Arten von EV können sich hinsichtlich Größe und Erscheinungsbild überschneiden.
Es reicht daher nicht aus, eine Größe im Nanometerbereich, eine ansprechende Mikrofotografie oder ein einzelnes typisches Protein zu zeigen. Eine Kombination analytischer Methoden ermöglicht es, Anzahl, Größe, Form, Zusammensetzung und Reinheit eines Präparats zu beurteilen. Doch selbst eine solche Charakterisierung muss nicht unmittelbar belegen, auf welchem Weg jedes einzelne Partikel entstanden ist.
Die internationale Empfehlung MISEV2023 fordert daher eine vorsichtige Terminologie. Wenn der endosomale Ursprung nicht nachgewiesen wurde, ist es wissenschaftlich präziser, von extrazellulären Vesikeln, kleinen EV oder exosomenähnlichen Nanovesikeln zu sprechen, anstatt alle Partikel automatisch als Exosomen zu bezeichnen.
Bei pflanzlichen Materialien ist diese Vorsicht noch wichtiger. In der Forschung werden häufig die Bezeichnungen plant-derived extracellular vesicles oder plant-derived exosome-like nanovesicles verwendet. Sie bringen zum Ausdruck, dass das Material membranumhüllte Partikel mit bestimmten Eigenschaften enthält, setzen diese jedoch ohne weitere Nachweise nicht mit Exosomen menschlicher Zellen gleich.
Für Kundinnen und Kunden ergibt sich daraus eine einfache Schlussfolgerung: Der Ausdruck „pflanzliche Exosomen“ kann ein seriös charakterisiertes Material bezeichnen, aber ebenso eine bequeme Marketingbezeichnung sein. Die richtige Frage lautet daher nicht „Sind Exosomen im Produkt enthalten?“, sondern „Was genau bezeichnet der Hersteller als Exosomen und wie hat er dies nachgewiesen?“
Unter derselben Marketingbezeichnung können sehr unterschiedliche Materialien angeboten werden.
| Was in der Beschreibung angegeben ist | Was im Produkt enthalten sein kann | Welche Frage gestellt werden sollte |
|---|---|---|
| Exosomes / EV | Isolierte Fraktion extrazellulärer Vesikel | Wie wurden Herkunft, Zusammensetzung und Reinheit der Partikel bestätigt? |
| Secretome | Gesamtheit der von Zellen ausgeschiedenen Stoffe: EV, freie Proteine, Peptide und Metaboliten | Wurde das gesamte Sekretom oder die EV-Fraktion separat untersucht? |
| Conditioned media | Kulturmedium nach dem Zellwachstum, das sowohl das Sekretom als auch Bestandteile des ursprünglichen Nährmediums enthält | Wie wurde das Medium gereinigt und standardisiert? |
| Ferment lysate | Bestandteile einer aufgeschlossenen Fermentationskultur | Liegen Daten zum Vorhandensein bakterieller EV selbst vor? |
| Exosome-like carrier | Synthetischer oder biomimetischer Lipidträger | Handelt es sich um ein natürliches Vesikel oder um ein künstlich hergestelltes Transportsystem? |
Man sollte jedoch auch nicht in das andere Extrem verfallen: Isolierte EV sind nicht automatisch besser als ein Sekretom. Die biologische Wirkung kann mitunter gerade aus dem Zusammenspiel von Vesikeln, freien Peptiden, Proteinen und Metaboliten entstehen.
Problematisch wird es, wenn die Wirkung des gesamten Komplexes allein den Exosomen zugeschrieben oder eine Materialart unter der Bezeichnung einer anderen verkauft wird. Entscheidend ist daher nicht, was technologischer klingt, sondern was tatsächlich im Produkt enthalten ist und welches Material getestet wurde.
Ein Vesikel lässt sich mit einem Briefumschlag vergleichen. Seine Form ist wichtig, doch die Bedeutung des Briefes hängt vom Absender und vom Inhalt ab. Partikel aus Centella, Granatapfel, einer Bakterienkultur und Säugetierzellen werden nicht allein deshalb gleich, weil sie alle von einer Lipidmembran umgeben sind.
Pflanzliche Zellkulturen werden in einer kontrollierten Umgebung kultiviert. Der Hersteller kann Beleuchtung, Nährstoffversorgung, Temperatur, Wachstumsphase und Stressbedingungen regulieren. Dadurch lässt sich ein reproduzierbareres Material gewinnen als durch das bloße Zerkleinern einer Pflanze. Das Ergebnis kann jedoch eine isolierte EV-Fraktion, ein Sekretom, ein Kulturmedium oder ein Zelllysat sein. Dies muss jeweils gesondert beurteilt werden.
Vesikel aus Früchten, Blättern, Wurzeln und Säften werden direkt aus pflanzlichem Gewebe gewonnen. EV werden beispielsweise aus Granatapfel, Weintrauben, Ingwer und anderen Pflanzen isoliert. Dieses Verfahren kann für die Produktion in großem Maßstab geeignet sein, die Zusammensetzung hängt jedoch von der Sorte, dem Reifegrad des Ausgangsmaterials, den Anbaubedingungen und der Reinigung ab. Die Aussage „Exosomen aus Granatapfel“ bezeichnet die Quelle, sagt aber noch nichts darüber aus, wie gut das Material standardisiert ist.
Auch Bakterien setzen Membranvesikel frei und nutzen sie zur Kommunikation mit ihrer Umgebung. In der Kosmetik werden diese Technologien mit der Hautbarriere, dem Mikrobiom und der Entzündungsreaktion in Verbindung gebracht. Bakterielle EV, lebende Probiotika, postbiotisches Material und Fermentationslysate sind jedoch nicht dasselbe.
EV aus menschlichen und tierischen Zellen enthalten Moleküle von Säugetieren und werden in der regenerativen Medizin intensiv erforscht. Das bedeutet nicht automatisch eine höhere Wirksamkeit oder Sicherheit in der Kosmetik. Auf dem europäischen Markt ist auch die Regulierung relevant: Zellen, Gewebe und Produkte menschlichen Ursprungs zählen zu den in EU-Kosmetika verbotenen Stoffen. Menschliche EV sind daher vor allem als medizinische und wissenschaftliche Forschungsrichtung zu betrachten, nicht als üblicher kosmetischer Inhaltsstoff.
Die FDA hat zugleich vor schwerwiegenden Risiken nicht zugelassener medizinischer Produkte gewarnt, die als Exosomentherapien verkauft werden. Diese Warnung lässt sich nicht automatisch auf jedes pflanzliche Kosmetikprodukt übertragen, zeigt jedoch deutlich, warum Herkunft, Reinigung und beabsichtigte Verwendung des Materials entscheidend sind.
Synthetische und biomimetische Träger werden im Labor hergestellt. Ihre Größe, Zusammensetzung und Stabilität lassen sich präziser einstellen. Sie können ein wirksames Transportsystem sein, korrekter ist jedoch die Bezeichnung als Lipidträger oder exosomenähnliche Träger und nicht als natürliche Exosomen.
Ein membranumhülltes Bläschen allein erklärt noch keine Wirkung. Sein Wert hängt nicht nur von der Hülle ab, sondern vor allem davon, was es transportiert.
Im Inneren und auf der Oberfläche von EV können sich Lipide, Proteine, Peptide, Enzyme, antioxidative Moleküle, Metaboliten und RNA befinden. In der Fachliteratur wird dieser Inhalt als cargo, also als biologische Fracht, bezeichnet.
Selbst Zellen derselben Pflanzenart können abhängig von den Kultivierungsbedingungen eine unterschiedliche Fracht bilden. Wurde eine Kultur unter normalen Bedingungen gezüchtet und eine andere kontrolliertem Stress ausgesetzt, kann sich das Profil der ausgeschiedenen Stoffe und Vesikel verändern. In diesem Fall versucht der Hersteller nicht nur, Partikel zu sammeln, sondern ein bestimmtes biologisches Profil zu erzeugen.
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, nachträglich ein Peptid, ein Antioxidans, eine Nukleinsäure oder ein Polydeoxyribonukleotid — PDRN, eine Mischung aus DNA-Fragmenten — in isolierte Vesikel einzubringen. Das EV wird dann als Transportsystem genutzt.
Je komplexer die Technologie ist, desto wichtiger ist ein korrektes Studiendesign. Wenn ein fertiges Produkt eine Wirkung gezeigt hat, muss unterschieden werden, ob diese durch die natürliche Fracht der EV, einen nachträglich eingebrachten Stoff, freie Bestandteile des Sekretoms, andere Komponenten der kosmetischen Formulierung oder deren Kombination erzielt wurde. Ohne Kontrollgruppen und Vergleichsformulierungen lässt sich dies nicht zuverlässig voneinander trennen.
Der Lieferant BioSpectrum präsentiert ExoPhyto als Linie pflanzlicher vesikulärer Materialien aus verschiedenen botanischen Quellen. Den Begriff „hybride Exosomen“ verwendet das Unternehmen auch für Systeme, in denen EV mit weiterer Fracht wie DNA oder PDRN kombiniert werden.
Vytrus Biotech gibt an, dass PDRN im Sekretom der Zellkultur Centella Reversa™ sowohl in freier Form als auch in pflanzlichen Vesikeln vorkommt, die das Unternehmen als ExoPDRN™ bezeichnet.
Diese Beispiele zeigen, wie Lieferanten vesikuläre Technologien weiterentwickeln. Ihre Unterlagen bestätigen jedoch in erster Linie, dass das jeweilige Unternehmen die Technologie deklariert und eine eigene Charakterisierung des Rohstoffs vorlegt. Eine unabhängige Bestätigung der Zusammensetzung und klinischen Wirksamkeit des fertigen Produkts erfordert gesonderte Daten.
Nehmen wir an, ein Lieferant hat eine frische EV-Fraktion gewonnen und ihre Eigenschaften detailliert beschrieben. Anschließend wurde sie einer Emulsion mit Wasser, Ölen, Emulgatoren, Tensiden und einem Konservierungssystem zugesetzt. Die Creme wurde in einem Lager aufbewahrt, im Sommer transportiert und stand schließlich mehrere Monate im Badezimmer einer Kundin oder eines Kunden.
Sind die Partikel dieselben geblieben wie bei der Analyse des Rohstoffs? Davon kann nicht automatisch ausgegangen werden.
Die Membran und die biologische Fracht der EV können auf Temperatur, pH-Wert, Sauerstoff und Licht ebenso reagieren wie auf Einfrieren, Konservierungsmittel, Tenside und weitere Bestandteile der Grundlage. Die Partikel können zerfallen, aggregieren, ihre Größe verändern oder einen Teil ihres Inhalts verlieren. Daten zum konzentrierten Rohstoff sind daher nicht mit Daten zum fertigen Produkt gleichzusetzen.
Eine Möglichkeit zur Verbesserung der Stabilität ist die Lyophilisation, also die Gefriertrocknung. Dabei werden die Vesikel in eine trockene Form überführt und vor der Anwendung mit Flüssigkeit rekonstituiert. Auch hier sind jedoch die schützende Umgebung, die Lagerung und der Nachweis entscheidend, dass die Partikel nach der Rekonstitution ihre Struktur und Aktivität bewahrt haben.
Die Aussage „Der Rohstoff enthält zehn Milliarden Partikel pro Milliliter“ gibt noch keine Auskunft darüber:
Die Partikelzahl kann ein nützlicher analytischer Parameter sein, beweist für sich allein jedoch keine Wirksamkeit.
Auch eine hohe Zahl besitzt ohne Beschreibung der Zählmethode nur geringe Aussagekraft. Manche Methoden können neben EV auch andere Partikel ähnlicher Größe erfassen. Eine große Menge unzureichend charakterisierter oder beschädigter Partikel muss zudem nicht wertvoller sein als eine kleinere Menge stabiler Vesikel mit bekanntem Inhalt.
Tausend Sendungen unbekannter Herkunft müssen nicht nützlicher sein als hundert Sendungen, bei denen Absender, Inhalt und Zustellbedingungen bekannt sind.
Pflanzliche EV werden im Zusammenhang mit Entzündungen, oxidativem Stress, Geweberegeneration, Pigmentierung, dem Zustand der Hautbarriere und dem Transport aktiver Substanzen untersucht. Die Aussage „Die Wirkung ist belegt“ kann jedoch sehr unterschiedliche Evidenzstufen bezeichnen.
In der Laborforschung werden die Partikel einzelnen Zellen zugesetzt und Veränderungen von Entzündungsmarkern oder Enzymaktivitäten beobachtet. Ein solches Ergebnis hilft, einen möglichen Mechanismus zu erklären, beweist aber noch nicht, dass eine Creme mit demselben Rohstoff im Gesicht sichtbare Ergebnisse erzielt.
In einem ex vivo-Experiment wird das Material außerhalb des Organismus auf eine Hautprobe aufgetragen. Dies kommt realem Gewebe näher, bildet jedoch weiterhin weder eine langfristige Anwendung noch das Verhalten der fertigen Formulierung oder die individuelle Reaktion im Alltag ab.
Mittlerweile gibt es auch kleine Studien zu fertigen pflanzlichen Formulierungen am Menschen. In einer zweiwöchigen Untersuchung mit 22 Frauen wurde beispielsweise eine Mehrkomponentenformulierung mit vier Arten pflanzlicher Nanovesikel untersucht, wobei Veränderungen mehrerer instrumentell gemessener Hautparameter festgestellt wurden. Die kurze Dauer, die kleine Gruppe und die komplexe Zusammensetzung des Produkts schränken die Schlussfolgerungen jedoch deutlich ein.
Weitere Studien beurteilen EV nach Microneedling, Laserbehandlungen oder in Kombination mit anderen aktiven Substanzen. Verbessert sich der Hautzustand, lässt sich häufig nur schwer bestimmen, welchen Anteil die Vesikel selbst, die Behandlung, die erhöhte Hautdurchlässigkeit, weitere Komponenten oder deren Zusammenspiel am Ergebnis hatten.
Evidenz kann nicht zwischen nicht vergleichbaren Technologien übertragen werden. Ergebnisse zu EV aus menschlichen oder tierischen Zellen lassen sich nicht automatisch auf pflanzliche Vesikel anwenden. Ebenso bestätigen Daten zur Anwendung nach Microneedling nicht die Wirksamkeit desselben Materials auf intakter Haut im Rahmen der Heimpflege.
Für Kundinnen und Kunden sind Studien zur konkreten fertigen Formulierung am Menschen am aussagekräftigsten. Doch auch diese müssen nicht beweisen, dass die gesamte Wirkung allein durch EV erzielt wurde, wenn das Produkt zugleich Peptide, Antioxidantien, feuchtigkeitsspendende und weitere aktive Inhaltsstoffe enthält.
Es ist nicht korrekt zu sagen:
Exosomen wirken nicht und sind nur Marketing.
Ebenso unpräzise ist die Behauptung:
Exosomen verjüngen die Haut nachweislich, unabhängig von Quelle und Formulierung.
Präziser ist folgende Aussage:
Extrazelluläre Vesikel sind eine vielversprechende Technologiegruppe mit seriöser biologischer Grundlage und überzeugenden Voraussetzungen aus der Laborforschung. Die Qualität der klinischen Evidenz unterscheidet sich jedoch erheblich zwischen den konkreten Quellen, Materialien, Anwendungsmethoden und fertigen Produkten.
Dieser Unterschied ist besonders wichtig bei der Wahl zwischen einem üblichen Serum für die Heimpflege und einem Produkt zur Anwendung nach einer Behandlung: Derselbe Begriff auf der Verpackung bedeutet nicht dieselben Sicherheitsanforderungen.
Die intakte Hornschicht der Haut fungiert als Barriere. Selbst ein sehr kleines Partikel erhält nicht allein aufgrund seiner Größe im Nanometerbereich automatisch Zugang zu tieferen Schichten. Entscheidend sind die Zusammensetzung der Membran, die Eigenschaften der Produktgrundlage, der Hautzustand und die konkrete Art der Anwendung.
Nach Microneedling, einer Laserbehandlung oder einem anderen Eingriff entstehen vorübergehend Mikroverletzungen in der Haut. Dadurch erhöht sich die Durchlässigkeit, gleichzeitig steigt jedoch auch das Risiko, dass Mikroorganismen, Endotoxine und andere unerwünschte Verunreinigungen die intakte Hornschicht überwinden.
Ein übliches kosmetisches Serum kann auf der Hautoberfläche sicher sein. Das bedeutet jedoch nicht, dass es steril oder zur Anwendung in frisch entstandenen Mikrokanälen bestimmt ist.
Bei einem Produkt, das zur Anwendung nach einer Behandlung empfohlen wird, muss der Hersteller diese Verwendungsart, die mikrobiologische Qualität, die Kompatibilität von Formulierung und Verpackung, die Lagerung und das professionelle Protokoll gesondert bestätigen. Die Kontrolle von Endotoxinen und weiteren Verunreinigungen ist besonders wichtig bei Produkten, die hinter die intakte Barriere gelangen können.
Ein Produkt wird nach Microneedling also nicht deshalb angewendet, weil „Exosomen“ auf der Verpackung steht, sondern weil der Hersteller diese Anwendung ausdrücklich vorgesehen und mit den entsprechenden Sicherheitsanforderungen untermauert hat. Bei Entzündungsfolgen und im Zusammenhang mit Behandlungen ist es außerdem wichtig, Pigmentflecken, rote Spuren und strukturelle Narben voneinander zu unterscheiden — ausführlich behandeln wir diese im Artikel „Post-Akne: Flecken, Rötungen und Aknenarben“.
Kundinnen und Kunden müssen keine Fachleute für Nanopartikel werden. Es genügt zu prüfen, ob die Marke einige grundlegende Fragen klar beantwortet.
Aus welcher Quelle stammt das Material?
Der Begriff „pflanzlich“ reicht nicht aus. Es sollte bekannt sein, ob es sich um eine Zellkultur, pflanzliches Gewebe, Bakterien, Säugetierzellen oder einen synthetischen Träger handelt.
Was genau enthält die Formulierung?
Eine isolierte EV-Fraktion, ein Sekretom, konditioniertes Kulturmedium, ein Lysat oder ein exosomenähnliches Transportsystem?
Wie wurden die Partikel charakterisiert?
Liegen nicht nur Daten zur Größe, sondern auch zur Zusammensetzung, Reinheit, Form und Gewinnungsmethode vor?
Worauf bezieht sich die angegebene Menge?
Auf den konzentrierten Rohstoff des Lieferanten oder auf das fertige Produkt?
Wurde die Stabilität untersucht?
Bleiben die Partikel während der angegebenen Haltbarkeitsdauer in der Formulierung erhalten?
Was wurde tatsächlich getestet?
Das isolierte Material, ein Labormodell, eine kleine Hautfläche oder das fertige Produkt am Menschen?
Für welche Anwendung ist das Produkt bestimmt?
Für die übliche Heimpflege oder zur Anwendung nach einer professionellen Behandlung?
Fehlen einige dieser Angaben, muss das Produkt nicht automatisch schlecht sein. Eine Kosmetikmarke veröffentlicht nicht immer die vollständige technische Dokumentation. Je größer jedoch die Versprechen und je höher der Preis, desto mehr konkrete Daten sollten diese begleiten.
In der Praxis veröffentlichen nur wenige Marken vollständige Angaben zur Herkunft der Partikel, ihrer Charakterisierung, ihrer Konzentration in der fertigen Formulierung und ihrer Stabilität während der Haltbarkeitsdauer. Fehlen solche Informationen, ist es sinnvoller, ein Exosomenprodukt als vielversprechende Technologie mit weniger vorhersehbarem Ergebnis und nicht als Mittel mit eindeutig nachgewiesenem Vorteil zu betrachten.
Auch von einer hochwertigen Formulierung ist realistischerweise eher eine schrittweise Verbesserung von Feuchtigkeitsgehalt, Hautkomfort, oberflächlicher Glätte und allgemeinem Hautbild zu erwarten als eine schnelle Beseitigung von Falten, Narben oder sichtbaren Äderchen beziehungsweise eine deutliche „Verjüngung“. Die konkrete Wirkung und der dafür erforderliche Zeitraum hängen von der EV-Quelle, der biologischen Fracht, weiteren Inhaltsstoffen und der Anwendungsart ab. Einen einheitlichen Zeitraum, nach dem jedes Exosomenkosmetikum wirken soll, gibt es derzeit nicht.
Bei begrenztem Budget ist es zunächst sinnvoll, eine die Hautbarriere unterstützende Routine aufzubauen und einen gut untersuchten Wirkstoff passend zum konkreten Hautproblem zu wählen: täglicher SPF bei lichtbedingten Hautschäden und Pigmentierungen, ein Retinoid bei Akne oder Anzeichen lichtbedingter Hautalterung oder Niacinamid zur Unterstützung der Hautbarriere und Regulierung der Talgproduktion. Diese Inhaltsstoffe sind kein direkter Ersatz für EV, ihre zu erwartende Wirkung ist jedoch besser untersucht. Ein Exosomenprodukt sollte eher als Ergänzung einer funktionierenden Routine und nicht als deren Ersatz betrachtet werden.
Ein Aufpreis kann gerechtfertigt sein, wenn der Hersteller:
Beschränkt sich die Evidenz auf eine hohe Partikelzahl, eine ansprechende Mikrofotografie, den Begriff „Nanotechnologie“ und Untersuchungen des konzentrierten Rohstoffs, rechtfertigt die Bezeichnung „Exosomen“ allein keinen höheren Preis.
Im nächsten Artikel wenden wir diese Kriterien auf ein konkretes Beispiel an — die Technologie Centella Reversa™ und das professionelle Produkt PURE.XO der Marke HL (Holy Land). Wir betrachten, was über den Rohstoff bekannt ist, welche Angaben der Lieferant macht und welche Schlussfolgerungen derzeit noch nicht auf das fertige Produkt übertragen werden können.
Pflanzen bilden tatsächlich extrazelluläre Vesikel. Der präzise Begriff „Exosomen“ setzt jedoch die Bestätigung ihres konkreten Entstehungswegs voraus. Daher sind die Bezeichnungen „pflanzliche EV“ oder „exosomenähnliche Nanovesikel“ häufig wissenschaftlich präziser.
Ein Sekretom ist die Gesamtheit der Stoffe, die eine Zelle in ihre Umgebung freisetzt. Exosomen und andere EV können neben freien Proteinen, Peptiden und Metaboliten ein Bestandteil davon sein.
Für extrazelluläre Vesikel gibt es eine seriöse Grundlage aus der Laborforschung, und erste Studien zu fertigen Formulierungen am Menschen liegen vor. Die Untersuchungen sind bislang jedoch klein, kurzfristig angelegt und verwenden unterschiedliche EV-Quellen, Zusammensetzungen und Anwendungsmethoden. Das Potenzial der Technologie ist daher besser bestätigt als eine beständige klinische Wirkung der gesamten Kategorie der Exosomenkosmetik.
Die Größe im Nanometerbereich allein garantiert kein tiefes Eindringen. Die Interaktion mit der Haut hängt von den konkreten Partikeln, der Produktgrundlage, dem Zustand der Barriere und der Anwendungsart ab.
Nicht jedes. Ein Produkt für die übliche Heimpflege muss die Anforderungen an eine Anwendung auf frischen Mikroverletzungen nicht erfüllen. Maßgeblich sind die offizielle Zweckbestimmung, die mikrobiologische Qualität und das Protokoll des Herstellers.
Mit Stand Juli 2026 lassen sich Exosomen und andere extrazelluläre Vesikel weder als bloße Marketingerfindung noch als vollständig belegte kosmetische Technologie bezeichnen. Sie können biologisch aktive Moleküle transportieren und zelluläre Prozesse beeinflussen. Es besteht eine seriöse Grundlage aus der Laborforschung, und erste Studien zu fertigen Formulierungen am Menschen kommen hinzu.
Der Markt fasst unter dem Begriff „Exosomen“ jedoch sehr unterschiedliche Materialien zusammen: pflanzliche EV, Sekretome, konditionierte Medien, bakterielle Lysate, künstliche Träger und komplexe Mehrkomponentenprodukte. Sie unterscheiden sich hinsichtlich Herkunft, biologischer Fracht, Reinigung, Dosis, Stabilität und Anwendungsart. Die Ergebnisse einer Technologie können daher nicht automatisch auf ein anderes Serum mit einer ähnlichen Aufschrift übertragen werden.
Für die meisten Kundinnen und Kunden sollte ein Exosomenprodukt derzeit nicht die erste und zwingende Investition in die Hautpflege sein. Bei begrenztem Budget führen ein grundlegender Lichtschutz und gut untersuchte, auf das konkrete Problem abgestimmte Wirkstoffe in der Regel zu einem besser vorhersehbaren Ergebnis. Exosomenkosmetik sollte eher als ergänzende, vielversprechende Technologie betrachtet werden — insbesondere, wenn die Basisroutine bereits etabliert ist und ein weniger sicheres Ergebnis bewusst akzeptiert wird.
Ein Aufpreis ist gerechtfertigt, wenn die Marke klar erklärt, was die Formulierung enthält, wie das Material charakterisiert wurde, ob es im fertigen Produkt stabil bleibt und welches Ergebnis tatsächlich untersucht wurde. Fehlen diese Daten, bleibt der Begriff „Exosomen“ ein Marketingversprechen und kein Beleg für einen Vorteil gegenüber preisgünstigeren Mitteln.
Autor: PersonaShop
Aktualisiert: 24. Juli 2026
Dieser Artikel dient ausschließlich der Information. Er beurteilt nicht die Sicherheit eines konkreten Produkts für die Anwendung auf geschädigter Haut und ersetzt keine Beratung durch eine Dermatologin, einen Dermatologen oder eine qualifizierte Fachkraft, die die Behandlung durchführt.